Wandel gestalten im eigenen Labor: Interview mit ZTM Tim-Lennart Wittig
ZTM Tim-Lennart Wittig ist Inhaber und Geschäftsführer der Waiblinger Dentallabor GmbH. In seinem Vortrag auf der Zahntechnik plus 2026 berichtet er, wie er sein Labor innerhalb weniger Jahre von analog auf nahezu vollständig digital umgestellt hat. Im Interview spricht er über Beweggründe, Stolpersteine, neue Chancen und das veränderte Berufsbild des Zahntechnikers im digitalen Zeitalter.
Herr Wittig, Sie haben Ihr Labor in wenigen Jahren von analog auf fast vollständig digital umgestellt. Was waren die wichtigsten Auslöser für diesen Schritt?
Wir hatten Probleme mit einem Zulieferer, der uns während der Corona-Pandemie drei Wochen lang keine Gerüste liefern konnte. Damit wir nicht noch einmal in eine solche Situation geraten, wollten wir in der Produktion autark werden. Außerdem wollten wir Einfluss auf die Qualität unserer Halbfertigteile nehmen. Das waren damals die ausschlaggebenden Gedanken.
Welche konkreten Vorteile bringt der digitale Wandel im Laboralltag mit sich? Gab es auch Herausforderungen oder Vorbehalte im Team?
Wir haben schnell gemerkt, dass sich die Produktion beschleunigen lässt und wir in der Lage waren, unsere Produkte in deutlich kürzerer Zeit zu fertigen. Aufgrund der Reproduzierbarkeit hatten wir auch einen klaren Qualitätsvorteil. Angefertigte Teile, die nicht unseren Anforderungen entsprachen, konnten wir einfach noch einmal fertigen oder während der Produktion eingreifen und anpassen. Ein weiterer klarer Vorteil liegt in der Personalgewinnung. Als moderner Betrieb hilft uns das bei der Suche nach neuen Mitarbeitern.
Was sich aber gleichzeitig auch als Problem darstellt, da die Mitarbeiter bei uns klar umdenken müssen. Es gibt kaum noch Arbeitsschritte, die wir analog lösen. Darauf muss man sich als Zahntechniker einlassen können.
Wie gelingt es, standardisierte Prozesse zu etablieren und gleichzeitig den Anspruch an handwerkliche Qualität zu halten?
Wir hatten Glück. Wir starteten 2020 mit vier Personen und sind ein junges Team, das offen für neue Wege ist. Somit ließen sich die neuen Arbeitsweisen gut integrieren. Neues Personal hatte dadurch keine andere Wahl, als einen anderen Weg hier im Labor kennenzulernen. Ich sehe das häufig in Laboren mit gewachsenen Strukturen, wodurch es schwer wird, neue Prozesse zu etablieren. Dort bleibt wenig Zeit für Testläufe, weil einfach ein großes Auftragsvolumen verarbeitet werden muss. Ein weiterer wichtiger Punkt ist in meinen Augen, dass ich als Chef die Technik auch vorleben muss.
Aus Ihrer Sicht: Wie verändert die Digitalisierung das Berufsbild des Zahntechnikers und was macht es für Nachwuchskräfte heute besonders attraktiv?
Die Zahntechnik wird einfacher und komplexer zugleich. Einfache Versorgungsformen werden meiner Meinung nach in Zukunft nicht mehr im Labor produziert. Wir werden das Glück haben, dass eher die komplexen Arbeiten bei uns auf dem Tisch landen werden. Was aber wiederum viel Wissen, Können und Erfahrung von uns abverlangt. Die jungen Techniker können, wenn sie die digitalen Prozesse optimal nutzen, schnell große Arbeiten mit Hilfe der KI herstellen. Somit haben sie die Möglichkeit, auch schon als Jungtechniker ordentliche Umsätze zu erwirtschaften.
Der Vortrag „Die neue Zahntechnik – analog-digital – individuell-industriell“ findet am 7. März 2026 13:00 bis 13:30 Uhr in der Themenwelt „Erfolgreich Wirtschaften“ statt. Für den Besuch ist ein Kongressticket erforderlich.