28.01.2026 Zahntechnikplus

Mentale Stärke trifft Handwerkskunst

Was können Zahntechnikerinnen und Zahntechniker vom Profifußball lernen? Eine ganze Menge, ist Dr. Nils Gatzmaga überzeugt. Der Sportpsychologe betreut den Nachwuchs von RB Leipzig und spricht zur Eröffnung der Zahntechnik plus am 6. März 2026 über mentale Stärke, Motivation und Zusammenarbeit. Was er auf dem Spielfeld lehrt, lässt sich gut auf den Laboralltag übertragen.

Was genau umfasst Ihre Arbeit als Sportpsychologe bei RB Leipzig? Und wie gestaltet sich dabei der direkte Kontakt zu Spielern und Trainern?

Der Schwerpunkt meiner Arbeit im Nachwuchs von RB Leipzig liegt in der langfristigen Entwicklungsarbeit. Ziel ist es, junge Spieler mental so zu begleiten, dass sie lernen, unter Druck Leistung abzurufen und ein sogenanntes High-Performance-Mindset zu entwickeln, also die Haltung, sich kontinuierlich verbessern zu wollen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und den Fokus auf die Dinge zu richten, die man selbst beeinflussen kann. Die Arbeit erfolgt sehr praxisnah: über Workshops bei jüngeren Jahrgängen sowie Kleingruppen- und Einzelcoachings bei älteren Spielern.

Ein weiterer Bestandteil ist die Beratung der Nachwuchstrainer zu Führungs- und Kommunikationsthemen auf und neben dem Platz. Ich bin regelmäßig vor Ort, begleite Trainings, Spiele und Besprechungen, sodass mentales Coaching als selbstverständlicher Teil der sportlichen Leistungsentwicklung wahrgenommen wird.

Worauf kommt es aus Ihrer Sicht an, wenn es darum geht, ein Team leistungsfähig, stabil und motiviert aufzustellen?

Aus meiner Sicht braucht es eine Balance aus hohen Ansprüchen und Vertrauen. Auf der einen Seite stehen klare Erwartungen an Leistungsbereitschaft, Qualität, Detailgenauigkeit und ehrliches Feedback. Auf der anderen Seite ist es entscheidend, den Glauben an die eigenen Stärken zu fördern und das Vertrauen in das eigene Können – individuell wie im Team – zu stärken. Zentral ist dabei eine prozessorientierte Haltung: Ergebnisse sind wichtig und geben Orientierung, liegen aber gerade im Fußball nicht vollständig in der eigenen Kontrolle.

Diese Teamziele werden anschließend auf Positionsaufgaben und individuelle Entwicklungsziele heruntergebrochen. Wenn ein Trainerteam eine klare Spielidee definiert hat, stellt sich die Frage: Welche Qualitäten braucht es auf deiner Position und woran arbeitest du konkret, um noch wirksamer zu werden? Solche Entwicklungsziele geben Struktur, Sicherheit und Motivation.

Was lässt sich aus dem Leistungssport über Entwicklung, Motivation und Zusammenarbeit für andere Branchen wie das Zahntechniker-Handwerk lernen?

Ein möglicher Lernpunkt aus dem Leistungssport ist der bewusste Umgang mit Verantwortung und Zusammenarbeit. Leistung entsteht dann, wenn jeder zuverlässig seinen Beitrag leistet und gleichzeitig versteht, wie das eigene Handeln das Gesamtergebnis beeinflusst. Das erfordert klare Absprachen, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, als Team immer besser werden zu wollen.

Gleichzeitig geht es immer um kontinuierliche persönliche Entwicklung. Darum, jeden Tag ein Stück besser zu werden. Leistung entsteht nicht allein durch hohe Erwartungen, sondern durch gezielte Unterstützung im Alltag: klare Ziele, strukturierte Prozesse sowie regelmäßiges, ehrliches und nachvollziehbares Feedback. Entscheidend ist dabei Präsenz in der Führung: ansprechbar sein, Entwicklung begleiten und frühzeitig sowie respektvoll in den Dialog gehen, wenn Erwartungen und Realität noch auseinanderliegen. Wenn individuelle Arbeit in ein gemeinsames Ziel eingebettet ist und Förderung, Verbindlichkeit und Offenheit zusammenspielen, entstehen Motivation, Qualität und eine gesunde Leistungsentwicklung.

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