18.02.2026 Zahntechnikplus

Interview mit ZTM Ralph Riquier und Prof. Dr. Falk Schwendicke

Im zweiten Themenblock des Fachkongresses der Zahntechnik plus 2026 diskutieren Prof. Dr. Falk Schwendicke und ZTM Ralph Riquier die Rolle von Künstlicher Intelligenz in Zahnmedizin und Zahntechnik. Während Schwendicke als Experte für evidenzbasierte Zahnmedizin und digitale Gesundheitsanwendungen die wissenschaftliche und klinische Perspektive einordnet, bringt Riquier als Innovationspreisträger Zahntechnik 2025 und langjähriger CAD CAM Spezialist die Sicht aus Laborpraxis und Industrie ein.

Prof. Schwendicke, der Titel Ihres Kongressvortrags bezeichnet die Künstliche Intelligenz als Fortschrittstreiber in der Zahnmedizin und Zahntechnik. Sehen Sie diesen Fortschritt nur in der wissenschaftlichen Entwicklung oder auch bereits ganz praktisch im Alltag von Zahnärzten und Zahntechnikern?

Künstliche Intelligenz ist längst kein rein wissenschaftliches Instrument mehr, sondern wirkt bereits ganz konkret in der täglichen Praxis von Zahnärzten und Zahntechnikern. Sie unterstützt diagnostische Entscheidungen, die Behandlungsplanung sowie Design und Fertigungsprozesse und erhöht damit Effizienz, Reproduzierbarkeit und Qualität. Entscheidend ist, dass KI nicht den klinischen oder handwerklichen Sachverstand ersetzt, sondern ihn gezielt ergänzt und absichert.

Müssen Zahnärzte und Zahntechniker befürchten, künftig nur noch Ausführende der Vorgaben einer vermeintlich besserwissenden KI zu sein?

Nein. Die Verantwortung und Entscheidungshoheit bleiben klar bei Zahnärzten und Zahntechnikern. KI liefert Vorschläge, Analysen und Simulationen, kann jedoch weder den individuellen klinischen Kontext noch ethische Abwägungen oder handwerkliche Erfahrung ersetzen. Wer KI kompetent einsetzt, wird nicht entmündigt, sondern gewinnt Souveränität, Qualität und Zeit für das Wesentliche.

Herr Riquier, Zahntechniker sind oft besonders fasziniert von neuen Technologien, sehen darin aber zugleich mögliche Risiken für ihr Berufsbild. Die aktuellen Diskussionen zu den Chancen und Risiken von KI zeigen diese Ambivalenz. Aus welcher Perspektive beleuchten Sie das Thema in Ihrem Vortrag als Innovationspreisträger Zahntechnik 2025?

Der Zahntechniker ist schon immer der Meister, wenn es um die schnelle Anwendung neuer Materialien und Techniken geht. Fortschritt bedeutet Veränderung, und mit KI beginnt erneut eine spannende Phase für die Zahntechnik. Ich halte den Beruf keineswegs für gefährdet. Er muss sich jedoch, wie so oft in der Vergangenheit, mit den neuen technischen Möglichkeiten weiterentwickeln und in Teilen neu definieren. In meinem Vortrag zeige ich konkrete Anwendungsfelder auf und erläutere, wie sich Laborstrukturen sowie individuelle und teambezogene Kompetenzen verändern müssen, damit diese Technologie gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Der Vortrag „Wissen für die dentale Zukunft - Künstliche Intelligenz in der Zahnmedizin“ von Prof. Dr. Falk Schwendicke findet am 6. März 2026 von 14:20 - 14:50 Uhr statt. Der Vortrag „KI und 3D-Druck- gibt es Zähne auf Knopfdruck?“ von ZTM Ralph Riquier findet am 6. März 2026 von 14:55 - 15:25 Uhr statt. Beide Vorträge können mit einem Kongressticket besucht werden.

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