Strategien und Konzepte für die neue Laborrealität: Interview mit ZTM Uwe Bußmeier
Im dritten Themenblock des Fachkongresses am 7. März 2026 rücken unternehmerische Antworten auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in den Fokus. ZTM Uwe Bußmeier moderiert diesen Programmteil und ordnet ein, warum jetzt nicht nur technisches Know-how gefragt ist, sondern vor allem Weitblick, Struktur und Mut zur Gestaltung.
Herr Bußmeier , was macht den Block für Laborinhaberinnen und -inhaber besonders relevant?
Die Vorträge von ZTM Ralph Riquier und Prof. Dr. Falk Schwendicke am Vortag haben gezeigt, dass die fortschreitende Digitalisierung, insbesondere im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz, als disruptive Entwicklung verstanden werden muss. Diese Dynamik betrifft das Dentallabor unmittelbar, da sich sowohl Dentalindustrie als auch zahnmedizinische Wissenschaft bereits intensiv mit der praktischen Umsetzung von KI Anwendungen befassen.
Der dritte Themenblock greift diese Entwicklungen nun aus strategischer Perspektive auf. Zu Beginn gibt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, Einblicke, wie KI das Gesundheitssystem unterstützen kann. Was heute noch unmöglich erscheint, kann morgen Realität sein.
Ein modernes Labor, das sich zukunftsfähig aufstellen will, muss deshalb über den Tellerrand hinausblicken. Die Vortragsreihe am Samstag setzt dort an und zeigt konkrete Anwendungsbeispiele, gerade auch für Neugründer.
Welche Herausforderungen und Zukunftsfragen werden aus Ihrer Sicht in den Vorträgen besonders greifbar?
Das Fortschreiten der Digitalisierung in Planungs- und Fertigungsprozessen erhöht die Unsicherheit und damit die Risiken für Laborinhaber, insbesondere für Neugründer, die ihr Geschäftsmodell entwickeln und Investitionsentscheidungen treffen müssen.
Sebastian Palm stellt gemeinsam mit Carsten Schilling ein Neugründungskonzept vor, das in enger Zusammenarbeit mit einem Industriepartner entstanden ist. Ivana Pasalic und Frank Köpp zeigen, wie sie mit einem spezialisierten digitalen KI Workflow ihre Neugründung erfolgreich aufgebaut haben.
Deutlich wird zudem, dass KI nicht nur die Fertigung, sondern auch Management- und Verwaltungsbereiche beeinflusst. Als disruptive Technologie kann sie tief in Strukturen und Organisationsformen eingreifen. Das erfordert eine ganzheitliche Analyse und strategische Ausrichtung des gesamten Labors.
Wie verändert der technologische Wandel die Zusammenarbeit im Labor, mit der Praxis und mit Patientinnen und Patienten?
Die Digitalisierung unter Einbeziehung von KI eröffnet neue Möglichkeiten für innerbetriebliche Kommunikation und sicheren Datenaustausch. Dr. MarkusHeckner zeigt die Chancen der Telematikinfrastruktur für Zahntechnik und Zahnmedizin, während Nikolas Bär ein Kommunikationstool für den effizienteren Austausch zwischen Praxis und Labor vorstellt.
Darüber hinaus entstehen Potenziale für effizientere kaufmännische Abläufe und Managementprozesse. Gleichzeitig gewinnt die Vernetzung zwischen den Wertschöpfungspartnern weiter an Bedeutung.
Neben Digitalisierung und KI spielt auch die zunehmende Automation eine wichtige Rolle. Timm Gerling gibt Einblicke in industrielle Perspektiven von KI Features bis zu neuen Fertigungskonzepten. Christoph Stark zeigt Produktionssysteme mit Hybrid Technologie, und Niclas Ziereis stellt Entwicklungen moderner Geräte vor.
Was wünschen Sie sich persönlich, dass die Teilnehmenden aus diesem Kongressblock mitnehmen?
Ich wünsche mir, dass die Vorträge den Berufsstand ermutigen und sowohl Laborinhaber als auch Neugründer dazu anregen, die digitale Transformation kompetent für sich auszuloten und fundierte Entscheidungen zu treffen. Ziel muss es sein, auch künftig moderne Zahntechnik mit Qualität und Sicherheit aus Meisterhand anbieten zu können.